Die "Hallmarks of Aging" oder: Warum Altern wir?
Die 12 Hallmarks of Aging: biologische Prozesse des Alterns verständlich erklärt – von genomischer Instabilität bis Mikrobiomdysbiose. Wissenschaftlich fundiert von Raab Vitalfood.
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Was sind die „Hallmarks of Aging“?

Die "Hallmarks of Aging" sind ein faszinierendes Konzept, das erstmals 2013 die Fachwelt bewegte. Forscher identifizierten neun Schlüsselprozesse, die den Alterungsprozess in unseren Zellen und Geweben steuern. Kürzlich wurde das Konzept auf zwölf Merkmale erweitert, um neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen Rechnung zu tragen [1]. Diese zwölf "Hallmarks of Aging" sind nichts anderes als die Ursachen des Alterns auf zellulärer Ebene. Ihre Entdeckung war ein Durchbruch im Verständnis menschlichen Lebens und der Alterung. Hier sind sie im Überblick:

  1. Genomische Instabilität (genomic instability) – Schäden an der DNA, die im Laufe der Zeit auftreten.
  2. Telomerabnutzung (telomere attrition) – Die Verkürzung der Telomere, die die Chromosomenenden schützen.
  3. Epigenetische Veränderungen (epigenetic alterations) – Modifikationen an der DNA, die die Genexpression beeinflussen.
  4. Proteostaseverlust (loss of proteostasis) – Der Verlust der Fähigkeit der Zellen, Proteine korrekt zu falten und zu entsorgen.
  5. Autophagie (disabled macroautophagy) – Der Prozess, durch den Zellen beschädigte Bestandteile abbauen und recyceln.
  6. Deregulierte Nährstoffsensorik (deregulated nutrient-sensing) – Veränderungen in der Art und Weise, wie Zellen Nährstoffe wahrnehmen und darauf reagieren.
  7. Mitochondriale Dysfunktion (mitochondrial dysfunction) – Beeinträchtigung der Mitochondrien, die als Energiekraftwerke der Zelle fungieren.
  8. Zelluläre Seneszenz (cellular senescence) – Der Zustand, in dem Zellen aufhören sich zu teilen und beginnen, entzündliche Substanzen freizusetzen.
  9. Stammzellerschöpfung (stem cell exhaustion) – Der Rückgang der Fähigkeit von Stammzellen, sich zu erneuern und zu differenzieren.
  10. Veränderte interzelluläre Kommunikation (altered intercellular communication) – Störungen in der Kommunikation zwischen Zellen.
  11. Chronische Entzündung (chronic inflammation) – Lang anhaltende Entzündungen, die zu Gewebeschäden führen können.
  12. Mikrobiomdysbiose (dysbiosis) – Ungleichgewichte in der Zusammensetzung der Mikroorganismen, die unseren Körper bewohnen.

Warum Bewegung und Fasten den Alterungsprozess positiv beeinflussen können

Die Erkenntnis, dass das Altern durch definierte biologische Prozesse gesteuert wird, ist faszinierend. Die "Hallmarks of Aging" bieten dabei eine wissenschaftliche Grundlage, um gezielt Maßnahmen zu ergreifen, die den Alterungsprozess verzögern können. Die gute Nachricht ist, dass sich altersbedingte Veränderungen tatsächlich positiv beeinflussen oder gar verzögern lassen. Die schlechte Nachricht ist, dass dies vor allem durch Faktoren beeinflusst wird, die unserer allgemeinen Bequemlichkeit entgegenstehen, nämlich: Bewegung, ausgewogene Ernährung und eine reduzierte Kalorienzufuhr (Fasten).

Aber warum ist Fasten und Bewegung (Sport) eigentlich so gesund? Beides sind an sich Stressfaktoren, jedoch solche, die zahlreiche positive Auswirkungen auf den Organismus haben. Auf molekularer Ebene passiert dabei Folgendes: durch Bewegung und Kalorienrestriktion werden sogenannte „Langlebigkeitsgene“ aktiviert, die für bestimmte Enzyme kodieren, die Sirtuine genannt werden. Sie aktivieren ihrerseits weitere Enzyme, die unter anderem die DNA-Reparatur organisieren, die epigenetische Information (Zelldifferenzierung) wieder schärfen sowie den Stoffwechsel in einen gesunden und schützenden Modus versetzen. Dieser Modus beinhaltet die Aktivierung der Fettverbrennung, die Mobilisierung von Glucose aus der Leber, die Erhöhung der Insulinsensitivität, aber auch eine verbesserte Abwehr von oxidativem Stress und eine protektive Wirkung auf Herz und Gehirn.

Die Sirtuine haben also stark positive Effekte und beeinflussen einige der o.g. „Hallmarks of Aging“. Und wir können durch unsere Lebensweise die Sirtuine beeinflussen. Umso erfreulicher ist es, dass es für eine Umstellung unserer Lebensweise nie zu spät ist. Selbst im Alter von 70 oder 80 Jahren kann es noch förderlich sein, mit einem passenden Bewegungsprogramm zu beginnen. Die renommierte Gerontologin, Prof. Bischoff-Ferrari von der Universität Zürich, sagt beispielsweise hierzu: „Scheuen Sie keinen Schritt, freuen Sie sich über jede Treppe, die vor Ihnen liegt“.

In diesem Sinne: Auf geht´s, wir haben es selbst in der Hand!


Fazit

Die 12 „Hallmarks of Aging“ liefern einen wissenschaftlich fundierten Fahrplan, um die Biologie des Alterns zu verstehen. Bewegung, Ernährung und zeitweiliges Fasten gehören zu den wirksamsten Hebeln, um viele dieser Mechanismen günstig zu beeinflussen.

Wie Sie diese Erkenntnisse konkret in Ihren Alltag übertragen, lesen Sie in: Gutes Altern im Alltag – Ernährung und Bewegung. Welche Mikronährstoffe dabei eine Rolle spielen können, zeigt unser Artikel zum Good Aging Komplex.


Buchtipps:

  • Das Ende des Alterns, Prof. Dr. David A. Sinclair, ISBN: 9783832165581

  • Verjünge Deine Gene! Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk und Bernhard Hobelsberger, ISBN: 9783833889707


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Quellen
  • [1] López-Otín C et al.; Hallmarks of aging: An expanding universe. Cell. 2023 Jan 19;186(2):243-278.
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